Burnout - Warnsignale erkennen & richtig deuten

Burnout wird als ein langanhaltender Zustand der Erschöpfung und als eine emotionale, geistige und physische Abgeschlagenheit beschrieben, die sich durch folgende Symptome bemerkbar machen kann:

Warnzeichen und Symptome

  • Chronische Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Antriebslosigkeit
  • Interessensverlust
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Sinkende Lebenslust und negative Lebenseinstellung
  • Gefühl der inneren Leere
  • Rückzug im Privatleben, wenige soziale Kontakte
  • Verdauungsprobleme
  • Hoher Blutdruck, Herzklopfen
  • Rücken- und Kopfschmerzen


12 Stadien (Freudenberger & North, 1992)

Nach Freudenberger (1992), wird Burnout in 12 Stadien unterteilt:

  1. Erhöhtes Streben nach Erfolg, Drang sich zu beweisen
  2. Größere Erwartungen, vermehrter Einsatz
  3. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  4. Verdrängung eigener Bedürfnisse und Probleme, Unterdrückung von Spannungen
  5. Werte bekommen eine andere Bedeutung
  6. Leugnung der aufgetretenen Probleme
  7. Vernachlässigung sozialer Kontakte
  8. Beobachtbare Verhaltensänderung, die Betreffenden verspüren Ängstlichkeit
  9. Zustand der Selbstentfremdung bzw. Selbstverneinung und der Verlust des Gefühls eigener Bedürfnisse.
  10. Innere Leere
  11. Depression, Gefühle wie Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit  
  12. Burnout-Syndrom bzw. psychische, emotionale und körperliche Erschöpfung


Burnout zeigt sich allerdings nicht bei jedem Menschen durch diese Stadien. Zudem müssen die Phasen auch nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge auftreten. Burnout ist kein linearer Prozess. Burnout Symptome können sich bei jedem Menschen unterschiedlich zeigen und auswirken. Daher ist eine Diagnose von Fachärzt/innen wichtig. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen langfristigen Folgen vorzubeugen.


Langfristige Folgen

  • Depression
  • Angststörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Schnelle Reizbarkeit
  • Physische Auswirkungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, hoher Blutdruck, Magenschmerzen, Kopfschmerzen
  • Suchterkrankungen


Ursachen

Die Entstehung eines Burnouts kann zum einen auf äußere Faktoren wie durch den Beruf oder das Privatleben zurückgeführt werden. Hoher Arbeitsstress und Zeitdruck, Angst vor Niederlagen, vor Ablehnung oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes sowie Mobbing oder chronischer Stress im Privatleben können Auslöser sein. Zum anderen spielen personale Faktoren eine Rolle. Dazu zählt starker Perfektionismus, fehlende Distanz zwischen Privatleben und Job, nicht „Nein“ sagen können, sowie ungünstige Strategien der Stressbewältigung. Allerdings sollte diesbezüglich keine pauschale Aussage getroffen werden. Menschen mit einem geringen Arbeitsstresslevel können genauso gut an einem Burnout leiden. Auf der anderen Seite bekommt nicht jeder Mensch mit perfektionistischen Zügen einen Burnout. In vielen Fällen sind gewisse Kriterien entscheidend und ausschlaggebend. Man sollte sich vor Augen führen, dass Burnout kein persönliches Versagen ist. Meist sind sehr leistungsorientierte Personen mit viel Ehrgeiz von einem Burnout betroffen. Es sind die Menschen, die viel wollen und nicht die, die zu wenig wollen. Betroffene kämpfen oft mit einer großen Enttäuschung sich selbst gegenüber.


Therapie

Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Symptomen und Ausprägungen. Eine Behandlungsmöglichkeit stellt die ambulante oder stationär durchgeführte Psychotherapie dar. Es gibt Kliniken, die speziell auf die Burnout Therapie spezialisiert sind. Diese bieten Therapiemöglichkeiten an, die sowohl in Einzel- als auch Gruppengesprächen stattfinden. Ein mögliches Verfahren stellt beispielsweise die Sporttherapie dar, in der unter anderem Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Achtsamkeit oder Progressive Muskelentspannung stattfinden. In zahlreich angebotenen Selbsthilfegruppen kann man sich als erste Anlaufstelle Hilfe holen. Zum Behandlungserfolg trägt maßgeblich trägt bei, dass sich Patient/innen eingestehen können, dass sie überbelastet sind und eine Veränderung notwendig ist.


Ziele der Therapie

Je nach Therapieform variieren die Therapieziele. Übergeordnete Ziele können allerdings die Erarbeitung bestimmter Fähigkeiten zur Stressbewältigung, dass Festigen eines gesunden Selbstwertgefühls, dass Erlernen von Vorgehensweisen für ein gesundes Zeitmanagement sowie die Durchführung von Entspannungstechniken sein. Betrachtet man eher eine ganzheitliche Therapie, können neben dem Stressmanagement auch weitere Faktoren wie die Ernährung, eine Nährstoffregulation, die Abklärung von Erkrankungen oder Infektionen, das Herstellen eines Darmgleichgewichts, eine Hormonregulation und ausreichend Bewegung bedacht werden. Da Burnout ein Zusammenspiel aus geistiger, emotionaler und physischer Erschöpfung ist, sollten diese Punkte alle in Betracht gezogen werden und in die Therapieplanung miteinfließen.



Ist das moderne Arbeitsleben schuld an einem Burnout?

Zahlreiche Statistiken zeigen: Die Burnout-Zahlen steigen stetig an. Und dass, obwohl ein gesunder Lebensstil immer mehr an Bedeutung gewinnt. In der heutigen Zeit streben wir nach einer gesunden Work-Life-Balance, nach einem gesunden Lebensstil durch ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung und psychischem Wohlbefinden. Doch konträr dazu kommen wir durch immer größer werdende Erwartungen wie ständige Erreichbarkeit und schnellere sowie komplexere Aufgabenbearbeitung nicht immer hinterher. In der modernen Arbeitswelt, die diese Schnelligkeit und Flexibilität voraussetzt, fällt es manchmal schwer Grenzen zu setzen. Auch das vielfältige Spektrum von Informationen scheint Überforderung auszulösen.

Druck, Wettbewerb, Konkurrenz. Klar, Unternehmenserfolg kommt nicht von allein. Alle Mitarbeitenden leisten ihren Beitrag, um ergebnisreiche Ziele für das Unternehmen zu erreichen. Hoch gesteckte Ziele können Mitarbeitende motivieren, das Beste aus sich selbst herauszuholen. Auf der anderen Seite kann es dazu führen, dass Mitarbeitende eine verengte Perspektive entwickeln, die nur auf das Unternehmensziel ausgerichtet ist und eigene Bedürfnisse vernachlässigen lässt. Aufgrund dessen sollten Anforderungen an Mitarbeitende immer wieder durch Gespräche überprüft und ggf. angepasst werden. Methoden wie das SMART-Prinzip oder das Formulieren von KPIs (“Key Performance Indicators“) können dabei helfen, Zielsetzungen nach bestimmten Kriterien zu definieren und Druck und Frustration zu verhindern.


Welche Berufe sind besonders betroffen?

Erste Forschungen zu Burnout wurden in den 1970er Jahren in Heil- und Pflegeberufen umgesetzt. Doch auch in der heutigen Zeit zeigt sich immer wieder: Vor allem Berufstätige der Sozialen Berufe sind häufig von Burnout betroffen. Besonders Fachkräfte, die mit einem hohen emotionalen Einsatz umgehen müssen. Hierzu zählen Berufe in der Sonderpädagogik, der Sozialarbeit, Heilerziehungspflege und Heilpädagogik, Erzieherische, aber auch kundenorientierte Tätigkeiten wie Dialogmarketing, Versicherung und Verkauf, die viel zwischenmenschliche Interaktion verlangen. Berufe im Gesundheitssektor und in der Pflege, wie Ärzte, Kranken- und Altenpflege, sowie Selbständige und Führungskräfte zählen ebenfalls dazu.


Wie Führungskräfte präventiv gegen Burnout vorgehen können

Durch einen persönlichen Austausch können mögliche Stressquellen oder Überforderungen erfasst werden. Daher sollten regelmäßig persönliche Gespräche zwischen Mitarbeiter/innen und Vorgesetzten stattfinden. Bei Fragen oder Unsicherheiten sollten Ansprechpartner/innen verfügbar sein. Die Gruppenatmosphäre wird durch regelmäßige Teammeetings oder Ausflüge gestärkt. Eine angenehme Arbeitsatmosphäre im Team fördert positives Denken. Soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und dem Team geben ein Gefühl der Sicherheit. Regelmäßige Kommunikation tragen zur Entlastung und dem Wissen bei, dass Aufgaben bei Überforderung an Kolleg/innen übergeben werden können. Fortschritte und Erfolge sollten wahrgenommen und anerkannt werden. Pausen sollten konsequent durchgeführt werden und auch bei einem hohen Arbeitspensum nicht in Vergessenheit geraten. Durch Coaching und berufsbegleitende Supervisionen kann die Selbsteinschätzung überprüft werden, das Erkennen von notwendiger Grenzen Setzung zwischen Beruf und dem Privatleben, sowie das Erlernen von Entspannungstechniken und Stressbewältigungsmethoden wird geschult.


Burnout-Prophylaxe durch Betriebliches Gesundheitsmanagement

Durch betriebliche Burnout-Prävention erhalten Unternehmen gezielte Unterstützung beim Deuten und Erkennen von Burnout-Anzeichen und bekommen Maßnahmen mit auf den Weg, die dabei helfen das Burnout Risiko zu senken. Dabei spielt unter anderem das Herstellen einer gesunden Work-Life-Balance eine wichtige Rolle. Mangelhafte Erholung wird aufgedeckt und Methoden für effektive Stressverarbeitung erarbeitet.


Hinweis:
Durch diese Informationen sollten keine eigenständigen Diagnosen gestellt werden. Die hier dargestellten Informationen ersetzen keine Beratung durch ausgebildete Fachärzt/innen.

Literatur
Freudenberger, H., & North, G. (1992). Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins, 12. Wolfgang Krüger Verlag

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